Warum vegetarisch? 4 Gründe für pflanzliche Ernährung

Mehr als 6 Millionen Deutsche verzichteten 2019 auf Fleisch und Fisch. Warum diese Menschen vegetarisch leben, hat dabei ganz unterschiedliche Gründe. Wir haben die wichtigsten zusammengestellt. Denn es sprechen einige richtig gute Gründe für eine fleischfreie Ernährung – und natürlich auch einige dagegen.

Um eines vorweg zu nehmen: Dieser Beitrag soll nicht missionieren. Jede/r darf und muss für sich selbst den richtigen Weg wählen. Allerdings sind wir der Meinung, dass du deine Entscheidungen informiert und bewusst treffen solltest. Dieser Beitrag bringt dir lediglich eine Sichtweise näher. Er erklärt, warum immer mehr Menschen vegetarisch leben.

warum vegetarisch

#1 Der Tiere wegen: Würdest du deine Katze essen?

Oder deinen Hund, dein Pferd, dein Meerschweinchen? Vermutlich nicht. Warum isst du dann Hühner, Schweine, Kälber, Fische? Weil du sie nicht siehst. Du hast keine emotionale Bindung zu ihnen. Wir vergessen manchmal, dass sie genauso Tiere sind wie die heiß geliebte Hauskatze.

Dieses Phänomen nennt sich “Fleisch-Paradoxon“. Wir reisen nach Nicaragua um Schildkröten zu retten, kuscheln mit Kaninchen und stellen Vogelhäuser im Garten auf. Gleichzeitig genießen wir es, Tiere zu essen.

Ein aufsehenerregendes Experiment mit Weihnachtsgänsen verdeutlicht diese Doppelmoral. Die Besucher*innen eines Marktes suchten sich eine lebendige Gans für ihr Essen aus. Der Verkäufer tötete das Tier vor Ort. Als “schrecklich” wird das bezeichnet. “Ich muss sie vorher nicht lebendig sehen. Ich hab sie dann lieber tiefgefroren”, sagt ein Passant, dem die Situation nahe geht.

Eine andere Passantin erklärt: “Wenn ich so ein Tier esse, muss ich mir auch im Klaren sein, dass es getötet wird und dass es für mich zubereitet wird”. Um genau dieses Bewusstsein geht es bei dem Experiment. Den Verbraucher*innen soll die “Produktion” ihres Bratens wieder wahrnehmen. Die Leute sollen sehen, woher ihr Essen kommt und wie es hergestellt wird. Das Töten von Tieren wird hinter den Kulissen hervorgeholt.

Tiere töten oder nicht töten – das ist eine Grundsatz-Frage. Die schrecklichen Umstände, unter denen viele Tiere leben, sollten es nicht sein. Allein in Deutschland lebten 2017 fast 750 Millionen Tiere (plus Fische und Krebstiere) in Massentierhaltung. Das sind 10 Mal mehr Tiere als Menschen in diesem Land.

Der Großteil der Tiere steht eng zusammengepfercht und hat kaum Bewegungsfreiheit. So steht einem Schwein, das mehr als 110 kg wiegt, per Gesetz gerade mal ein Quadratmeter Platz zu. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner wollte zuletzt sogar das Recht der Schweine zum »Ausstrecken der Gliedmaßen in Seitenlage« streichen.

Um möglichst schnell ein hohes Schlachtgewicht zu erreichen, werden die Tiere überzüchtet und überfüttert. So kommt es vor, dass die Körper der Tiere dem Gewicht nicht mehr standhalten – die Beinknochen brechen und die Tiere sind anfälliger für Krankheiten. Diese Krankheiten werden mit Antibiotika und ähnlichen Medikamente behandelt.

Weitere Qualen, die die Tiere erleiden müssen, verursacht die gewaltsame Anpassung ihrer Haltungsformen: Körperteile wie Ringelschwänze, Hörner und Schnäbel werden ohne Betäubung gekürzt. Außerdem werden frisch geborene Tiere vorzeitig von ihren Müttern getrennt, was ihnen sowohl körperliche als auch psychische Probleme bereitet. Die männlichen Küken von Legehennen trifft es besonders hart: Sie werden meist nach ihrer Geburt einfach geschreddert, weil sich ihre Aufzucht finanziell nicht lohnt.

Vegetarisch für Umwelt

#2 Der Umwelt zuliebe: Wie Fleisch, Milch und Co. unserem Klima schaden

Tierische Produkte schaden unserem Klima besonders. 15 % aller Treibhausgas-Emissionen stammen aus der Haltung und Verarbeitung von Tieren. Das macht Tiere sogar umweltschädlicher als den weltweiten Verkehr. Eine große Rolle spielen dabei Kohlenstoffdioxid, Methan und Stickoxid, die drei klimarelevantesten Treibhausgase. So sind Rinder z.B. für 65 % aller Emissionen von Methan verantwortlich – einem Gas, das 25 Mal stärker wirkt als CO2.

Die Haltung von Tieren verursacht dabei direkt und indirekt Emissionen durch:

  1. Die Ausscheidungen der Tiere
  2. Verarbeitung, Transport, Kühlung und Verpackung der Tierprodukte
  3. Das Abholzen von Wäldern für Weideplatz und das Pflanzen von Futtermitteln
  4. Versiegelung von Böden (z.B. durch den Bau von Ställen), sodass dort keine Pflanzen mehr wachsen, die CO2 binden könnten
  5. Wasserverbrauch von ca. 15.500 Liter pro Kilo Fleisch (entspricht einem Jahr täglichem Duschen)

Pflanzen zu essen ist daher wesentlich ökologischer als sich tierisch zu ernähren. Wenn wir Pflanzen – wie Obst, Nüsse und Hülsenfrüchte – zu uns nehmen, essen wir das, was auf den Feldern wächst. Mit tierischen Produkte – wie Fleisch, Milch oder Eiern – essen wir, was andere Lebewesen, die ihr Leben lang diese Pflanzen gegessen haben, in tierische Produkte umwandeln.

Die Nahrung geht sozusagen einen Umweg. Sie landet nicht direkt auf unserem Teller, sondern wird von Tieren konsumiert und umgewandelt. Dabei geht eine ganze Menge Energie einfach “verloren”. Veganer*innen benötigen dadurch nur 5 % der Fläche, die Fleischesser in Anspruch nehmen.

Für die Umwelt ist es daher besonders problematisch, dass unser Fleischkonsum sich in den letzten 70 Jahre verdoppelt hat. Jede/r Deutsche*r verzehrt durchschnittlich 60 kg Fleisch pro Jahr. Hinzu kommen 28 kg pro Person für die Herstellung von Tierfutter, industrielle Verwertung und Verluste. Unser Fleischkonsum entspricht damit mehr als dem doppelten globalen Durchschnitt. Die großteils vegetarisch lebenden Inder*innen verbrauchen pro Person gerade mal 3,7 kg im Jahr.

Vegetarisch gesund

#3 Die eigene Gesundheit: Du bist, was du isst

Lange gingen Wissenschaftler*innen davon aus, dass der menschliche Körper Fleisch braucht. Die Academy of Nutrition and Dietetics, bestehend aus 70.000 Ernährungsberater*innen, Forscher*innen und Mediziner*innen, hat diese These nun widerlegt.

Eine vegetarische Ernährung sei die beste Form der Ernährung, sowohl für die Umwelt als auch für die eigene Gesundheit. Sie reduziere u.a. das Risiko für Übergewicht, Herzkrankheiten, Diabetes (um 62 %) und Krebsformen (um 18 %) wie Prostata-, Darm- und Brustkrebs. Die geringere Aufnahme von Fett und Eiweiß beugt Zivilisationskrankheiten vor.

Hinzu kommt, dass wir mit tierischen Produkten aus konventioneller Haltung nicht bloß Joghurt oder Fleisch zu uns nehmen. Wir essen oft auch Antibiotika, Stresshormone, qualitativ minderwertiges Billigfutter und Mittel, mit denen Fleisch gestreckt wird, um dessen Gewicht zu erhöhen.

Natürlich muss diese pflanzliche Ernährung gut geplant sein. Wer sich zu großen Teilen von Zucker, Weißmehl und Frittiertem ernährt, profitiert von diesen Vorteilen nicht. Wenn du jedoch Gemüse, Obst, Nüsse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte in deinen Speiseplan einbaust, brauchst du grundsätzlich keinen Nährstoffmangel befürchten.

Dennoch solltest du auf deinen Körper achten und dein Blut regelmäßig untersuchen lassen. Vitamin B12 lässt sich über Pflanzen nur schwer aufnehmen. Allerdings wird das Vitamin auch Tieren übers Futter untergemischt. Du hast also die Wahl: Entweder du suchst die Vitamin-Präparate bei Bedarf selbst aus. Oder du nimmst regelmäßig etwas Unbekanntes zu dir, das den Tieren gegeben wurde.

Neben Vitamin B12 solltest du auf ausreichend Kalzium, Selen, Zink, Jod und Omega-3-Fettsäuren im Körper achten. V.a. als Frau solltest du zudem regelmäßig deine Eisenwerte testen.

Übrigens: Grundsätzlich eignet sich eine vegetarische Ernährung auch für Kinder. Sie sind seltener übergewichtig und dank hohen Anteilen an “echtem” Essen wie Obst und Gemüse oft gesünder.

Respekt

#4 Der Menschen wegen

Seit Jahren produzieren wir in Deutschland mehr Fleisch als wir eigentlich essen. Daher exportieren wir etwa die Hälfte der hier geschlachteten Tiere. Viele dieser Tiere landen in Westafrika und drücken dort die lokalen Fleischpreise.

Vor ein paar Jahren handelte es sich bei den Exporten noch hauptsächlich um Restprodukte, die die Menschen dort verwerten. Mittlerweile produzieren wir so viel zu viel, dass wir immer mehr ganze Tiere exportieren. Dadurch verlieren unzählige Bäuer*innen ihr Einkommen.

Auf dem Transport wird oft die Kühlkette unterbrochen, zum Teil wegen der regelmäßigen Stromausfälle. Ein Teil des Fleisches verdirbt. Viele Menschen in Armut essen es dennoch und kämpfen mit gesundheitlichen Folgen.

Dabei können wir überhaupt nur so viel produzieren, weil die EU dies fördert. 2019 flossen mehr als 70 % der EU-Direktzahlungen für Landwirte in die Produktion von Fleisch, Milch und Eiern. Davon profitieren in der Regel nicht kleine Familienbetriebe, sondern große Monopole – also die Massentierhaltung.

Bäuer*innen aus ärmeren Ländern können da nicht mithalten. Durch EU-Subventionen und billige Exporte haben sie keine Chance, ihre eigene Wirtschaft aufzubauen. Manche flüchten daher – hier schließt sich der Kreis – nach Europa.

Tiere essen

Fazit: Bewusst essen

Warum also vegetarisch? Hier noch einmal die vier wichtigsten Argumente.

  1. Tierwohl
  2. Umweltschutz
  3. Gesundheit
  4. Globale Gerechtigkeit

Weitere Gründe, warum Menschen vegetarisch leben, beinhalten z.B. Religion oder Gewohnheit. Du entscheidest selbst, wie du dich ernährst. Aber wir wünschen uns, dass du bewusste Entscheidungen triffst – für dich selbst und für andere.

Bevor du also ein tierisches Produkt kaufst: Stell dir vor, wie es für dich oder dein Haustier wäre, unter solchen Bedingungen zu leben. Überlege, ob du Lebewesen auf diese Art behandeln könntest. Wenn deine Antwort ‘nein’ lautet, vermeide diese Produkte konsequent.

Mit jedem Cent, den du für konventionelle Tierprodukte ausgibst, unterstützt du Tierquälerei. Biologische Produkte legen größeren Wert auf Tierwohl, Umweltschutz und auch deine Gesundheit. Bio-Siegel garantieren unter anderem, dass:

  • die Tiere unter freiem Himmel sein dürfen
  • das Tierfutter ohne chemische Pflanzenschutzmittel erzeugt wurde
  • die Landwirt*innen Medikamente nur bei Bedarf verabreichen, nicht präventiv
  • keine Gentechnik verwendet wird

Doch auch in biologischer Haltung leben, fressen und sterben die Tiere. Um Umwelt und Tieren wirklich etwas Gutes zu tun, lautet der sicherste Weg Verzicht.

Falls du unbedingt Tiere essen möchtest, versuche, auf Wild umzusteigen. Rehe, Wildschweine und Co. werden meist getötet, um die natürlichen Bestände zu regulieren. Wild ist wohl auch das gesündeste Fleisch, da sich die Tiere von dem ernähren, was sie in der Natur vorfinden.


Auch Milchprodukte und Eier kannst du leicht in der Küche ersetzen. Verwende z.B. Hafermilch, Sojasahne oder Agar Agar (statt Ei). Im Zweifelsfall sagt dir das Internet, wie du ein tierisches Produkt durch ein pflanzliches ersetzt.

Wenn du nicht von heute auf morgen gar keine tierischen Produkte mehr zu dir nehmen kannst, taste dich schrittweise an das Thema heran. Ernähre dich z.B. anfangs jeden zweiten Tag vegetarisch oder konsumiere nur noch einmal pro Woche Fleisch. Auch tolle Rezepte erleichtern dir den Umstieg.

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