Plastikmüll

Unser Problem mit dem Müll

Fast 9 Kilo Müll verursacht der durchschnittliche Deutsche jede Woche – direkt oder auch indirekt über die Industrie. Pro Jahr entstehen damit knapp 40 Millionen Tonnen Abfall in Deutschland. Fast die Hälfte davon besteht aus Verpackungen. Damit sind wir die größten Produzenten von Müll in Europa. Nicht nur das: Wir produzieren pro Person 20 % mehr Verpackungsmüll als der EU-Durchschnitt. Mit steigendem Wohlstand wachsen auch unsere Müllberge weiter. Dieser Beitrag erklärt dir, warum unser Müll ein Problem ist und was du dagegen tun kannst.


Müll Problem

Was passiert mit unserem Müll?

Von dem bis 2015 weltweit erzeugtem Plastikmüll wurden nur 2% effektiv recycelt, 7% zu weniger wertigen Produkten recycelt und 12% verbrannt. Die restlichen 79% befinden sich auf Deponien und direkt in unserer Umwelt.

In Deutschland ist die Quote etwas besser: Wir recyceln wir fast die Hälfte unseres Mülls. Die andere Hälfte wird größtenteils verbrannt und so zur Gewinnung von Strom und Wärme genutzt.

Allerdings ist Deutschland nach den USA und Japan der größte Exporteur von Müll. Mehr als ein Zehntel unseres Abfalls schicken wir ins Ausland, hauptsächlich nach Südostasien. Dort landet er meist auf Deponien oder wird oft ungefiltert verbrannt.

Dass wir so viel verbrennen liegt auch daran, dass sich viele Materialien nicht voneinander trennen lassen. So sind zum Beispiel in Tetrapaks Plastik, Pappe und Aluminium unlösbar miteinander verklebt. Auch die falsche Entsorgung von Müll ist ein Problem.

Dabei sind wir in Deutschland besser aufgestellt als viele andere, vor allem ärmere Länder. Fast die Hälfte aller Menschen weltweit hat keinen Zugang zu kontrollierter Entsorgung. Viele Regionen können sich ein richtiges Abfallsystem schlichtweg nicht leisten.

Fast der gesamte Müll landet also auf wilden Deponien, in der direkten Umgebung (z. B. in Flüssen) oder wird ohne Filtersysteme verbrannt. In vielen Ländern werden beispielsweise Plastiktüten als Feueranzünder verwendet. Sie brennen erstaunlich gut. Durch die offene Verbrennung von z. B. Plastik und Elektroartikeln gelangen jedoch unzählige Schadstoffe in Luft und Natur.

Plastik Meer

Makroplastik, Mikroplastik

Ein großes Problem von Müll aus Plastik ist, dass er sich sehr langsam zersetzt. Experten gehen von bis zu 2.000 Jahren für diesen Prozess aus.

In der Umwelt werden große Plastikteile (Makroplastik) von UV-Strahlen und mechanischen Prozessen zerkleinert, bis sie zu kleinen Partikeln (Mikroplastik) werden. Diese Teile zersetzen sich aufgrund ihrer geringen Größe nur sehr langsam. Vor allem unter der Meeresoberfläche, wo Reibung, Sauerstoff und Sonnenlicht fehlen, dauert dieser Prozess sehr lange.

In manchen Produkten, vor allem in der Kosmetik, ist sogenanntes Primäres Mikroplastik von Anfang an beigemischt. Ein Zehntel der 3,2 Millionen Tonnen Mikroplastik, die jährlich in unsere Umwelt gelangen, stammt aus Peelings, Shampoos und Co. Auch durch Abrieb von Reifen und Schuhsohlen, Verwehungen bei Sport- und Spielplätzen sowie das Waschen synthetischer Textilien gelangt Mikroplastik in die Natur.

Vogel im Müll

Inseln aus Müll

86 Millionen Tonnen Plastik schwimmen im Ozean, und es werden jedes Jahr fast 8 Millionen Tonnen mehr. Jedoch treibt nur ein halbes Prozent dieser Masse auf der Oberfläche. Der Rest befindet sich in den Tiefen des Meeres und an den Küsten.

So sind etwa ein Drittel der vermeintlichen Sandkörner in Groß Britannien in Wirklichkeit kleine Plastikteilchen. Der größte Strudel aus Müll, der Great Pacific Garbage Patch, ist 4,5 Mal so groß wie Deutschland. Hier schwimmen 80.000 kg Plastikteile. Jeder Mensch ist für durchschnittlich 250 der 1,8 Trillionen Teile in diesem Strudel verantwortlich.

Dabei ist vor allem Mikroplastik für Meeresbewohner gefährlich. Es verbindet sich oft mit Schadstoffen wie industriellen Chemikalien oder Insektiziden. Durch die Aufnahme von Nahrung landen die kleinen Plastikteile und Schadstoffe im tierischen Organismus. Sie gefährden so Leben und Fortpflanzung.

Fast jede fünfte Art ist momentan durch Nahrungsaufnahme oder Strangulation durch Plastikmüll gefährdet. Viele dieser Arten sind schon jetzt vom Aussterben bedroht.

Jährlich sterben eine Millionen Seevögel sowie 130.000 Säuger wie Wale, Robben und Seehunde durch Plastik. Schildkröten verwechseln Tüten mit Quallen und sterben bei dem Versuch, sie zu essen. Etwa jede zweite Meeresschildkröte hat schon jetzt Plastik im Magen. Bereits 2050 wird ein Großteil aller Meeresbewohner Plastik in sich tragen.

Das Problem: Die Teile schädigen den Verdauungstrakt und verursachen ein falsches Sättigungsgefühl, wenn sie den Magen der Tiere füllen. Dadurch verhungern die betroffenen Tiere. Auch hormonelle Effekte schaden ihrer Gesundheit, Entwicklung und Fähigkeit zur Fortpflanzung.

Doch gerade auf Hoher See scheint das Problem mit dem Müll noch nicht angekommen zu sein. Viele Schiffsbesatzungen werfen ihren Abfall über Bord, anstatt ihn im Hafen zu entsorgen. Auch sogenannte Geisternetze, also Netze, die Fischerboote im Meer verlieren, richten schwere Schäden an. Laut Schätzungen stammen 10 % des Plastikmülls im Meer aus der Fischerei.

Müll Insel

Folgen für uns Menschen

Auch wir Menschen nehmen Mikroplastik über die Nahrung und Atmung auf. Kleine Partikel in Trinkwasser, tierischen Produkten und in der Luft können sich negativ auf unsere Gesundheit auswirken.

Ein Drittel der globalen Feinstaubemissionen, 40 % der krebserregenden PAK und viele weitere Emissionen stammen aus der offenen Verbrennung von Abfall. Vor allem in Regionen mit mangelnder Hygiene leiden Menschen unter Gefahren durch herumliegende Abfälle.

Mikroplastik kann auch die Fruchtbarkeit von Böden mindern und somit die weltweite Produktion von Nahrungsmitteln einschränken. Auch durch verschmutztes Wasser entstehen hohe Kosten, die Wasser zu einem noch wertvolleren Rohstoff machen. Plastikteile im Wasser schaden auch der Technik. So verfangen sich regelmäßig Geisternetze in Schiffsschrauben. Oft werden auch Kühlsysteme beschädigt.

Ein weiterer Verlierer unseres Müllproblems ist die Touristikbranche. Allein im asiatisch-pazifischen Raum werden Verluste durch vermüllte Strände und Co. auf eine halbe Milliarde Euro pro Jahr geschätzt. Insgesamt verursacht Müll im Meer jährliche Kosten von etwa 12 Milliarden Euro.

Sauberes Meer

Großflächige Lösungen

Auch wenn bereits auf kleiner Ebene viel bewegt werden kann, braucht es umfassende Maßnahmen, um unser Problem mit dem Müll einzudämmen. Ein erster Schritt wäre ein globales Verbot der Beimischung von Mikroplastik, wie sie z. B. in Kosmetika zu finden sind.

Für Produkte, in denen sich die Partikel nicht so leicht vermeiden lassen, brauchen wir effektive Kläranlagen, nachhaltige Alternativen zu schwer abbaubaren Verpackungen sowie haltbare Materialien, von denen sich kleine Partikel nicht so schnell lösen.

Auch eine Verantwortung der Produzenten (Extended Producer Responsibility) trägt zur Lösung unseres Problems bei. In diesem Konzept beteiligen sich Hersteller von Verpackungen von Vornherein finanziell an den Kosten der Entsorgung. In Deutschland ist dies bereits Pflicht, und andere Länder könnten folgen.

Zudem könnte die Entsorgung an speziellen Orten finanziell belohnt werden. Das wäre vor allem für Müll, der auf Hoher See anfällt, hilfreich. Allerdings könnte dieses Konzept zusätzlichen Müll verursachen, weil es sich für die Abgeber lohnt, möglichst viel Abfall einzureichen.

Zero Waste Anleitung

Was kannst du tun?

Auch wenn du dir angesichts der riesigen Massen an Müll vielleicht klein und machtlos vorkommst, so kannst du doch entscheidend zur Reduzierung und Verwertung von Müll beitragen. Dein Verhalten beeinflusst den Markt, dein persönliches Umfeld und im besten Fall auch die Gesetzgebung.

Die folgenden Schritte bilden die Grundlage für fast alle Tricks für eine sauberere Welt.

  1. Vermeide Abfall von Vornerein
  2. Verwende, was du hast, wieder und wieder und wieder
  3. Entsorge deinen Abfall richtig
  4. Hilf anderen in ein abfallarmes Leben

Was genau die einzelnen Punkte beinhalten, das liest du hier.

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