Nachhaltig putzen

Nachhaltig putzen mit Natron & Co – Sauber sauber machen

Wir Deutschen sind sauber. Jedes Jahr kaufen wir 220.000 Tonnen Haushaltsreiniger und kommen damit auf knappe 3 kg pro Person. Leider säubern viele dieser Mittel nicht nur unsere Häuser, sondern verschmutzen gleichzeitig unsere Umwelt. In diesem Beitrag erfährst du, wie gängige Putzmittel Mensch und Umwelt schaden, und wie das Putzen mit Natron und anderen Hausmitteln ökologisch gelingt.

(Eine kurze Version des Artikels findest du hier.)

Erdöl

Warum sind viele Reinigungsmittel schädlich?

Die meisten Haushaltsreiniger wirken durch Tenside. Diese Tenside verringern die Oberflächenspannung von Wasser. Sie machen Wasser also „weicher“. Dadurch kann sich das Wasser mit Fett- und Schmutzpartikeln verbinden. Mixturen aus Wasser und Tensiden können somit unerwünschte Partikel von Oberflächen lösen.

Generell lässt sich zwischen natürlichen und synthetischen Tensiden unterscheiden. Natürliche Tenside werden aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Viele Hersteller greifen hierfür auf konventionelles Palmöl zurück. Damit unterstützen sie damit die Abholzung von Regenwald, Monokulturen und oft auch Menschenrechtsverletzungen.

Synthetische Tenside basieren meist auf Erdöl. Für die Gewinnung des fossilen, also endlichen, Rohstoffs werden Wälder abgeholzt, und damit Menschen, Pflanzen und Tiere aus ihrem Lebensraum vertrieben. Zudem werden jährlich etwa 100.000 Tonnen Öl ins Meer gespült – vor allem aufgrund von technischen Mängeln. Tiere wie Vögel und Fische haben schon nach kurzem Kontakt mit Erdöl kaum eine Chance, zu überleben.

Ein weiteres Problem ist die Entsorgung. Synthetische Tenside müssen per Gesetz großteils, aber nicht vollständig biologisch abbaubar sein. Ein Teil der schädlichen Stoffe darf also unverändert in Abwässer gelangen und so unsere Umwelt verschmutzen.

Neben Tensiden enthalten viele Reinigungsmittel künstliche Farb-, Duft- und Konservierungsstoffe. Chlorverbindungen wie z.B. in Desinfektionsmitteln, WC-Reinigern und Schimmelentfernern, verursachen giftige Dämpfe und Halogenverbindungen, die unser Abwasser verschmutzen.

Doch nicht nur unsere Umwelt leidet unter den Giften. Teile der Reinigungsmittel bleiben auf Oberflächen wie Kleidung und Arbeitsflächen haften. Dadurch kommen wir direkt mit ihnen in Berührung. Teilweise nehmen wir die Giftstoffe sogar über unsere Haut und Nahrung in uns auf. Viele Mittel schaden unserer Haut, Schleimhäuten und Atemwegen. Das macht uns anfälliger für Allergien und Ausschläge. Eine norwegische Studie vergleicht die Effekte von häufigem Putzen sogar mit denen von Rauchen. Demnach haben Putzkräfte ähnlich schwache Lungen wie Menschen, die 20 Jahre lang eine Schachtel pro Tag rauchen.

Ein weiteres Argument gegen die Verwendung herkömmlicher Reinigungsmittel sind die Firmen, die deren Bestandteile produzieren. Große Tensid-Hersteller sind Sasol, Shell und BASF. Diese Firmen sind unter anderem wegen Kartellbildung, Ermordung von Umweltschützern und Bestechung von Politikern angeklagt oder verurteilt. Jeder Cent, der in Reinigungsmittel mit Inhaltsstoffen dieser Firmen gesteckt wird, unterstützt deren Aktivitäten.

Nachhaltig putzen

Richtig nachhaltig putzen

Unsere Reinigungsmittel enthalten also eine Menge Substanzen, die unserer Gesundheit, der Umwelt und anderen Menschen schaden. Als Verbraucher ist es schwer, all diese Inhaltsstoffe zu überblicken und deren Wirkung richtig einzuschätzen. Produkte mit zweifelhaften Zutaten sollten wir daher meiden. Generell gilt: Je weniger synthetische Stoffe ein Reinigungsmittel beinhaltet, desto besser. Auch auf Palmöl solltest du verzichten.

Eine weitere Regel für den Gebrauch von jedem Konsumgut lautet: Verwende so viel wie nötig und so wenig wie möglich. Oft helfen Empfehlungen zur Dosierung, die du auf Verpackungen oder im Internet findest.

Putzen mit Hausmitteln

Diese Hausmittel helfen

Aber was sind denn nun die Alternativen? Fast alle Reinigungsmittel lassen sich durch drei einfache Zutaten ersetzen.

  • Natron oder Soda
  • Essig oder Zitronensäure
  • (Kern-)Seife

Mit Natron, Essig und Seife gelingt das ökologische Putzen garantiert. Das Gute: Du findest alle Zutaten im Bioladen, Drogerie- und Supermarkt, und zur Not auch online. Deine Mischungen kannst du in wiederverwendbare Behälter wie Sprühflaschen umfüllen und so langfristig nutzen.

Kaufe anfangs am besten kleine Portionen, um zu testen, wie du mit den Produkten klar kommst. Nutzt du sie gerne, besorge dir große Packungen – so sparst du Geld und Verpackungsmüll. Falls du trotz allem lieber ‚fertiges‘ Reinigungsmittel verwenden möchtest, greife auf ökologische Reiniger zurück. Diese erkennst du an Siegeln wie der EU-Umweltblume, Ecogarantie oder Ecocert. Allerdings ist Putzen mit Natron, Essig und Seife ist günstig, umweltschonend, gesund und kinderleicht!

Putzen mit Natron

Wundermittel Soda und Natron

Soda und Natron sind zwar nicht das Gleiche – setzen sich aber ähnlich zusammen und wirken auch ähnlich. Beide Mittel eignen sich als Allzweckreiniger, Spülmittel oder Waschmittel. Mithilfe einer nassen Bürste lösen sie Fett, Eingebranntes, Verkrustungen und Schmutz von den unterschiedlichsten Oberflächen. Hier findest du Rezepte fürs Putzen mit Natron und Soda!

Der einfachste Weg zur Fettfreiheit: Mische 1 EL Soda oder Natron mit etwas kochendem Wasser. Gieße die heiße Lösung auf Backblech, Pfanne und Co. Nach dem Einweichen lässt sich der Schmutz leicht mit einem Schwamm abschrubben. Backöfen und Abzugshauben lassen sich so ebenfalls mit Natron putzen!

Etwas abgekühlt macht diese Lösung auch weiße Wäsche wieder weiß. Sie eignet sich wunderbar zur Vorbehandlung von Textilien. Sei jedoch vorsichtig mit empfindlichen Stoffen wie Wolle oder Seide!

Allzweckreiniger lässt sich ähnlich leicht herstellen. Löse 2 TL fein geraspelte Kernseife in einem halben Liter warmen Wasser auf. Mische 2 TL Soda/Natron und einen Spritzer Zitronensaft dazu. Für den angenehmen Duft kannst du außerdem ein paar Tropfen ätherisches Öl hinzufügen.

Spülmittel stellst du fast genauso her. Löse 10 g fein geraspelte Kernseife in 100 ml warmen Wasser auf. Füge danach 1 TL Soda/Natron und nach Wunsch ätherisches Öl hinzu.

Auch als Rohrreiniger wirken Soda oder Natron Wunder. Einfach 4 EL Soda/Natron und eine halbe Tasse Essig nacheinander in den Abfluss kippen. Wenn das Blubbern aufhört, solltest du mit heißem Wasser nachspülen.

Gegen unangenehme Gerüche wirken die Hausmittel ebenfalls. Streue Natron/Soda auf muffige Möbelstücke (z.B. Teppich, Sofa, Autositze), lasse es einige Stunden einwirken und sauge die Körner anschließend ab. Oder aber du stellst eine kleine Box mit Soda/Natron neben Mülleimer, Kühlschrank und sonstige Orte, deren Gerüche du neutralisieren möchtest. Das gleiche funktioniert übrigens auch mit Kaffeepulver. Als natürliche Lufterfrischer kannst du zusätzlich duftende Pflanzen wie Lavendel oder auch Zitronensäure aufkochen.

Nachhaltig putzen mit putzen

Sauer macht sauber – Essig und Zitronensäure

Essig ist ein weiteres Zaubermittel für deinen Haushalt. Vermischt mit etwas lauwarmen Wasser entfernt Essig kinderleicht Kalk, Fett und Wachs. Wenn du das Essig erst einwirken lässt, lösen sich unerwünschte Verschmutzungen, vor allem Verkalkungen, noch leichter. So lassen sich Wasserhähne, Kocher, Kaffeemaschinen und Fenster ökologisch reinigen.

Benutze am besten weißen Haushaltsessig oder verdünnte Essigessenz (4 Teile Wasser auf 1 Teil Essigessenz). Falls du den Geruch unangenehm findest, kannst du meist genauso gut Zitronensäure verwenden. Zitrusextrakte eignen sich auch als duftendes Desinfektionsmittel für Oberflächen wie Schneidebretter oder Arbeitsplatten.

Für einen einfachen Universalreiniger legst du die Schalen von Zitrusfrüchten in ein Einweckglas. Das Glas füllst du mit Essig auf. Diese Mischung lässt du zwei Wochen ruhen, bevor du sie durch ein Sieb abseihst. Den Zitrus-Essig mischst du mit der gleichen Menge Wasser. Fertig!

3 EL Zitronensäure im WC-Becken verteilt bringen deine Toilette zum Strahlen. Einfach ein paar Stunden einwirken lassen, bürsten und spülen.

Um deine Waschmaschine zu entkalken, fülle einen halben Liter Essig ins Waschmittelfach. Lasse einen Waschgang auf 30 bis 40 Grad leer laufen. Ersatzweise gibst du 7 EL Zitronensäure direkt in die Waschtrommel. Als Weichspüler kannst du Essig (oder bei weißer Wäsche Zitronensäure) auch direkt ins entsprechende Fach füllen. So beugst du Verkalkungen vor und reinigst deine Kleidung noch sanfter. Zitronensaft entfernt in der Vorbehandlung von weißen Stoffen auch Fettflecken und gelblichen Schmutz.

Auch Silber und Chrom lassen sich mithilfe von Essig, Salz, Backpulver und Aluminium reinigen. Kalkhaltige Materialien wie Marmor oder Naturstein, aber auch Kupfer und Aluminium werden durch Essig und Zitronensäure angegriffen. Sie sollten daher mit anderen Mitteln gereinigt werden.

Nachhaltig putzen

Einseifen und Abstauben

Last, but not least, ist auch Seife ein zurecht bekanntes Reinigungsmittel. Zum Putzen und Waschen eignen sich vor allem feste Seifen. Im Gegensatz zu Flüssigseifen vermeiden sie über‚flüssigen‘ Verpackungsmüll und beinhalten auch kein umweltschädliches Mikroplastik. Die Rezepte mit Kernseife findest du weiter oben.

Energie und überflüssige Geräte sparst du beim Putzen mit dem Kehr-Paket. Besen, Handfeger und Wischmop halten deinen Boden lärm- und stromfrei sauber.

Vorsicht bei Putztüchern: Die meisten bestehen aus Kunststoff und enthalten damit Mikroplastik. Baumwolltücher – z.B. aus alten Bettlaken oder Kleidung – sind umweltfreundlicher. Einfach bei 60° waschen und immer wieder benutzen. Außerdem eignen sich Kupfertücher als kratzfreie Reinigungshilfen, vor allem bei Materialien wie Töpfen, Kochfeldern, Glas oder Fliesen. Dass du Einweg-Tücher meiden solltest, versteht sich von selbst.

Auch bei deiner Wäsche kannst du leicht Energie sparen. Trockne sie vor allem im Sommer einfach auf Wäscheständer oder Leine. Der Verzicht auf den Trockner schont auch die Textilien. Falls du deine Kleidung drinnen trocknest, vergiss nicht, anschließend zu Lüften!

Wie du siehst, konnten unsere Vorfahren auch ohne Strom und Chemikalien ihre Häuser auf Hochglanz bringen. Mit ein bisschen Übung schaffst auch du es, ganz einfach back to the roots nachhaltig zu reinigen. Das Putzen mit Natron, Essig und Seife schon dabei die Umwelt, deine Gesundheit und deinen Geldbeutel.

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